Aktionswoche "Gefährliche Zustände" - Programm

Anlässlich des Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust und des Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27.Januar veranstaltet der AStA der Uni Vechta auch in diesem Jahr vom 22. Januar bis 27. Januar die Aktionswoche "Gefährliche Zustände: Aktionswoche gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Ideologien". Die Teilnahme an allen Veranstaltungen ist kostenfrei!
 

 In Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen, dem GEW Kreisverband Vechta, dem Netzwerk für Demokratie & Courage, dem Zentrum für Lehrerbildung der Universität Vechta und der Universität Vechta.

 

22.01.18 | 11 Uhr | Stadtrundgang zum Leben von Jüd*innen in Vechta | Treffpunkt: Altes Rathaus

 

Die Stadtführung beschäftigt sich mit den jüdischen Familien und Einrichtungen in Vechta, mit Schwerpunkt auf die Zeit des Nationalsozialismus.

 

22.01.18 | 14 Uhr | „Transhumanismus als Utopie?“ mit Tobias Holz | Raum Q111

 

Sophia, ein Roboter, hat in Saudi-Arabien die Staatsbürgerschaft verliehen bekommen. Autos fahren bald selbst und die virtuellen Welten des Cyberspace sind heute schon täuschend echt. In nahezu allen Bereichen der menschlichen Welt sind vernetzte Maschinen präsent. Fast alle tragen eine solche Maschine in der Hosentasche mit sich. Mit dieser Technisierung gingen viele gesellschaftlichen Veränderungen einher, die in den letzten Jahren als „Digitalisierung“ beschrieben wurden und werden.

 

Mit dieser Veränderung taucht der Begriff des Transhumanismus auf. Unter Transhumanismus wird ein weites Feld von Vorhaben der technologischen Veränderung des Menschen gefasst. Sei dies nun durch Eingriff in die Gene(Bioengeneering), Kopplung mit Maschinen(Cyborg) oder gar die Ersetzung von Menschen durch Roboter. Im Zentrum steht die Verbesserung oder Abschaffung der Defizite des Menschen. Ein prominentes Beispiel ist die Debatte um Pränataldiagnostik und die damit verbundene erwartete erhöhte Abtreibungsrate von Föten mit Downsyndrom.

 

Die radikalsten Denker dieses Transhumanismus planen und forschen an der Abschaffung des Menschen als Gattungswesen, in dem sie eine auf seiner Rationalität basierende, aber ihm vielfach überlegene Maschine bauen wollen(Singularität). Diese solle dem Menschen letztlich die Fähigkeiten Gottes geben können.

 Was ist davon realistisch? Welches Menschenbild liegt dem zu Grunde? An welche Vorstellungen knüpft es an? In wie weit lässt sich dies als Ausdruck der aktuellen Gesellschaft deuten? Woher gewinnen diese Ideen ihren Reiz? Wer sind Akteure und Ziele? Und letztlich die Frage: ist dies eine Utopie, sogar die Vision einer wünschenswerten Zukunft?

 Tobias Holz (studiert Erziehungswissenschaft im Master Bildungstheorie und Gesellschaftsanalyse in Wuppertal und schreibt seine Master Thesis zum Thema.)

 

23.01.18 | 18 Uhr | „Antiziganismus in Ungarn“ mit Benjamin Horvath | Raum Q115

 

In Ungarn - wie in allen Nationalstaaten - existieren seit jeher verschiedene Formen der Diskriminierung nationaler Minderheiten. Spätestens seit dem verstärkten Rechtsruck in Ungarn, der sich in den Stimmengewinnen der rechtsradikalen JOBBIK und der Regierungsmehrheit von FIDESZ-KDNP seit 2010 niederschlägt, werden vermehrt antiziganistische Ressentiments im politischen Mainstream bedient. Antiziganistische Meldungen aus Ungarn sind gelegentlich auch in deutschen Medien zu finden. Doch werden diese zuletzt von anderen Negativschlagzeilen aus Ungarn überschattet. Dass es weiterhin berichtenswerte antiziganistische Vorfälle gibt, darüber wird der Vortrag von Benjamin Horvath zum Thema "Antiziganismus in Ungarn" aufklären.

 

24.01.18 | ENTFÄLLT | „MODUL WISSEN / BASIS: Hinter der Fassade - Fortbildung zu Diskriminierung, Neonazismus und Handlungsmöglichkeiten“ mit dem Netzwerk für Demokratie & Courage |

 

Leider muss dieses Modul entfallen. Wir bemühen uns, diesen Workshop so bald wie möglich nach Vechta zu holen!

Zielgruppen

Angehende und praktizierende Lehrer_innen, Sozialarbeiter_innen, Pädagog_innen und  (politische) Multipliktaor_innen  

Ziele des Moduls:

- Die Teilnehmenden haben ihre Perspektive auf die Wirkungsweisen und Folgen von Diskriminierung erweitert
- Die Teilnehmenden begreifen die Zusammenhänge von Alltagsdiskriminierung, populistischen Mobilisierungen und Neonazismus auf individueller und gesellschaftlicher Ebene
- Die Teilnehmenden kennen Grundlagen neonazistischer Idelogie(n), Organisierung und Jugendkultur
- Die Teilnehmenden sind sensibler bezüglich ihrer Haltung und Verantwortung im Umgang mit Diskriminierung, populistischen Mobilisierungen und Neonazismus
- Die Teilnehmenden sind ermutigt und befähigt in konkreten Situationen gegen Diskriminierung, populistische Mobilisierungen und Neonazismus aktiv zu werden

Inhalt des Moduls

Unsere Projekttage für Schüler_innen und Jugendgruppen entfalten eine nachhaltige Wirkung besonders dann, wenn auch Lehrer_innen und Sozialpädagog_innen klar auf menschenverachtende und diskriminierende Äußerungen reagieren. Um diese Zielgruppe sowie weitere Multiplikator_innen für ihre Verantwortung zu sensibilisieren und in ihrer Kompetenz zu diesem Thema inhaltlich und methodisch zu stärken, hat das NDC Fortbildungsangebote entwickelt.

Zu Beginn des Moduls Wissen Basis richten wir den Blick auf die Verbreitung diskriminierender Einstellungen und Handlungen innerhalb der Gesellschaft. Anschließend geht es um das Verständnis der Wirkungsweisen und Folgen von Diskriminierung. Besondere Aufmerksamkeit gilt dann der Perspektive der Betroffenen, am Beispiel des NSU
Terrors.

Wie Alltagsdiskriminierung, populistische Mobilisierungen und Neonazismus zusammenhängen, wird im nächsten Schritt erörtert. Dabei wird deutlich, aus welchem Kontext heraus Neonazis agieren. Es folgt die konkrete Auseinandersetzung mit Beispielen neonazistischer Organisationsformen, Symbolen und Codes, Musik, Themen, sowie deren Gefahren. Hier soll sowohl eine Vermittlung von Hintergrundwissen, als auch ein Austausch über eigene Erfahrungen ermöglicht werden.

Ausgehend von eigenen Erlebnissen und Fällen aus dem Arbeitskontext werden Möglichkeiten und Grenzen des eigenen Handelns ausgelotet. Um Lösungsansätze für konkrete Situationen zu entwickeln, bietet die Fortbildung den Raum für kollegiale Beratung oder fragengestützte Fallbearbeitung.

Abschließend werden Tipps zum Handeln gegen Diskriminierung und Neonazismus sowie weitere Fortbildungs
und Unterstützungsangebote vorgestellt.

Übersicht zum Programm und Inhalt

1. Thematischer Einstieg
2. Diskriminierung - Phänomene und Blickwinkel
3. Populistische Mobilisierungen und Neonazismus
4. Handlungsmöglichkeiten und Instrumente der Fallbearbeitung
5. Ausblick und Auswertung

Rahmen des Moduls

- Umfang: 6 Schulstunden bzw. 4,5 Zeitstunden zzgl. Pausen
- Das Konzept ist ein Einstiegsangebot zum Thema

 Da die Plätze begrenzt sind bitten wir um verbindliche Anmeldung per Mail an Aktionswoche[at]asta-uni-vechta.de. Die Teilnahme ist kostenlos!

 

24.01.18 | 16 Uhr | „Let’s talk about Gedenkstättenbesuch“ mit Lena | Raum tba

 

Was nehmen Schüler*innen in Gedenkstätten überhaupt so mit? Was unterscheidet den Unterricht von dem Besuch einer Gedenkstätte und was wollen Gedenkstätten eigentlich mit einem Besuch erreichen? Warum sind unsere eigenen Besuche eigentlich meistens eher negativ in unserem Kopf besetzt? Wie kann man das Thema Nationalsozialismus denn überhaupt interessant rüber bringen und was gibt es überhaupt für Methoden?

 

Diese und andere Fragen stellen wir uns in einem Vortrag mit einem Beispiel aus der Praxis: Die Gedenkstätte Mannheim Sandhofen macht 5 Stündige Projekttage mit Schülerinnen und Schülern, indem diese in Eigenarbeit an das Thema NS und Zwangsarbeit herangeführt werden. Außerdem gibt es seit 3 Jahren eine halbjährige AG mit Grundschüler*innen zum Thema NS und Menschenrechten. Wir werden uns die Frage stellen was wir als Gedenkstätte für Erfahrungen mit den Angeboten gemacht haben und warum  es wichtig ist schon junge Menschen an das Thema heranzuführen. Außerdem werden wir uns anschauen was kleinere Gedenkstätten für Vor und Nachteile haben.

 

 

24.01.18 | 20 Uhr | „An der tödlichsten Grenze der Welt - Einsatzbericht Mittelmeer mit Ruben Neugebauer | Raum R005

 

Das Mittelmeer hat sich in den letzten Jahren zur tödlichsten Grenze der Welt entwickelt. Jährlich sterben mittlerweile tausende Menschen bei der Überfahrt nach Europa. Aus dieser Situation heraus haben sich einige NGOs gebildet, die mit vielen freiwilligen Helfer*innen und eigenen Schiffen Seenotrettung im Mittelmeer betreiben.
Der Referent dieses Vortrags, Ruben Neugebauer, „Sea-Watch“ Gründungsmitglied, wird über die Entstehung des Projekts, über Einsätze auf dem Mittelmeer und über die ersten Einsätze des neu fertig gestellten Schiffs „Sea Watch 3“ berichten.
Neugebauer war zuletzt als Schnellbootfahrer teil der Crew auf der „Sea-Watch 2,“ außerdem ist er als Pilot und Projektleiter für die Luftaufklärung bei „Sea-Watch“ zuständig.

 

25.01.18 | 18 Uhr | „Erziehung zur Mündigkeit heute“ mit Dr. Stephan Sandkötter (im Rahmen der Ringvorlesung Kritische Theorie) | Raum Q111

 

 

25.01.18 | 20 Uhr | „Für die Heimat bereit? Rechtsextremismus und Nationalismus in der postjugoslawischen Popmusik“ mit Krsto Lazarevic | Raum Q111

 

Der kroatische Rockmusiker Thompson verhöhnt in seinen Liedern die Opfer der Vernichtungslager aus dem zweiten Weltkrieg. Auf seinen Konzerten tragen die Besucher Abzeichen der kroatischen Nazikollaborateure der Ustascha. Rechts ist daran aus Sicht seiner Fans natürlich nichts. Stadien bekommt Thompson trotzdem gefüllt.

  Sein serbisches Pendant ist die Turbofolk-Sängerin Ceca. Die feiert in ihren Texten zwar keine Nazis, ließ dafür aber zu Kriegszeiten mit einer AK-47 durch das kroatische Vukovar spazieren, während ihr späterer Ehemann Zeljko Raznatovic hunderte unschuldige Zivilisten ermorden ließ. Andere erfolgreiche serbische Popkünstler forderten sehr konkret Muslime abzuschlachten und ihre Moscheen zu verbrennen.

 Seit den jugoslawischen Nachfolgekriegen gehören Rechtsextremismus und Ultranationalismus zum Repertoire der Popkultur im postjugoslawischen Raum.

  Inzwischen kommt es jedoch auch zu einer Umcodierung der einstmals als nationalistisch verschrienen Musik. Der aktuelle Star am serbischen Turbofolkhimmel, Jelena Karleusa, setzt sich für die Rechte von LGBTIQ ein und kritisiert die nationalistische Regierung Serbiens scharf.

 Die Geschlechterrollen von muskulösen Mafiatypen und devoten Barbiepuppen wurden schlichtweg übernommen und ironisch gebrochen. Aus dem Soundtrack der Nationalisten, wurde der Soundtrack der queeren Szene.

 

Weiterführende Quellen:

 

Sonja Vogel: Turbofolk: Soundtrack zum Zerfall Jugoslawiens:  https://www.ventil-verlag.de/titel/1777/turbofolk

Rezension des Buches: http://www.deutschlandradio.de/audio-archiv.260.de.html?drau:broadcast_id=93

Krsto Lazarevic: Thompson: Rechtsrock in Filderstadt: https://www.kontextwochenzeitung.de/kultur/296/rechtsrock-in-filderstadt-4026.html

 Krsto Lazarevic: Im Namen der Ustascha: https://jungle.world/artikel/2016/19/im-namen-der-ustascha

 

26.01.18 |14 Uhr | „Zu Antisemitismus unter Feministinnen“ mit Merle Stöver | Raum N08

 Feminismus stellt eine gesellschaftliche Notwendigkeit dar und muss immer Teil einer Gesellschaftsanalyse- und Kritik sein. Doch mit Blick auf gesellschaftliche Missstände sehen wir das Fortleben antisemitischer Ideologie, die weder vor linken Kontexten noch vor feministischen Gruppierungen und ihren Gesellschaftstheorien Halt macht.
 
 Daher gilt es, die Frage, ob es unter Feminist*innen bzw. im Feminismus Antisemitismus gibt, näher zu untersuchen. Dafür soll sowohl ein historischer Abriss der deutschen Frauen*bewegungen bzw. der feministischen Debatten gegeben werden, es wird der Blick auf aktuelle feministische "Ikonen" und neue feministische Bündnisse und Theorien gelenkt um anschließend die Frage zu besprechen, ob es Parallelen und strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen antisemitischer Ideologie und feministischen Theorien gibt.

 

 26.01.18 | 16 Uhr | „Antisemitismus im Rap“ mit Chucky Goldstein | Raum: N08

Deutschrap, diese Sache die nicht nur für Noel Gallagher zu aller erst absurd klingt, ist spätestens in der zweiten Hälfte der 2010er Jahren endgültig zur dominierenden musikalischen Subkultur aufgestiegen. Was einst mit einem Spaß von Thomas Gottschalk begann, später mittels Kiffern die dem Reihenhausmilieu entstammten sich langsam den Weg in den Mainstream bahnte, ist dort spätestens Anfang der 2000er mit Bushido endgültig angekommen. Mittels Youtube, Twitter und Facebook ist aus der einstigen Szene längst ein multimedialer Zirkus geworden, der zumindest innerhalb Deutschlands seines Gleichen sucht.
 
 Immer häufiger taucht dabei mittlerweile auch Antisemitismus auf, meistens in seiner antiisraelischen oder vermeintlichen kapitalismuskritischen Form auf. Seien es „Free Palestine“-Rufe die optisch mit einem Raketenwerfer untermalt werden, vermeintliche Dokumentationen über die Situation in Palästina von deutschen Sprechgesangsartisten, selten dämliche Facebookposts oder ganze Reimketten voller antisemitischer Bilder.
 
 Vor allem innerhalb des journalistischen Teils der Deutschrapszene – und auch von szenexternen Journalist*innen – wird dabei immer wieder Kritik geübt, doch auch einige – meistens eher studentisch oder links anmutende – Rapper*innen beziehen immer wieder Position. Innerhalb dieser Auseinandersetzung dreht sich häufig um Antisemitismus innerhalb der Deutschrapszene, im besten Fall wird Deutschrap dabei als Ausgangspunkt genommen antisemitische Denkmuster offen zu legen im schlimmsten Fall wird dabei auf dem vermeintlichen Widerspruch zwischen „rebellischen“ Deutschrap und Antisemitismus beharrt. Worum es allerdings fast nie geht: das tatsächlich Verhältnis von Deutschrap zum Antisemitismus.
 
 Dieser Vortrag möchte den Versuch unternehmen, dieses Verhältnis aufzuzeigen. Dabei ist es einerseits wichtig Rap im Allgemeinen und Deutschrap im Besonderen als popkulturelle Subkultur zu begreifen, die bestimmte Funktionen im Leben seiner Fans erfüllt und ihn an Hand seiner Rolle innerhalb der Kulturindustrie zu kontextualisieren. Dabei ist es andererseits auch wichtig Antisemitismus als „negative Leitidee der Moderne“ (Salzborn) zu begreifen und auch ihn innerhalb der gegenwärtigen Form der Vergesellschaftung zu betrachten.
 
 Der Referent: Chucky Goldstein ist Student der Kulturwissenschaften, in gewisser Weise selbst ein deutscher Sprechgesangsartist, freier Referent und Blogger zum Themenschwerpunkt Pop und Rapkultur.

Ausschlussklausel:
Personen die durch das Tragen von faschistischen, antisemitischen, rassistischen oder sonstigen diskriminierenden Emblemen, Marken oder durch faschistische, antisemtische, rassistische oder sonstige diskriminierende Äußerungen auffällig werden oder wurden, sind auf den Veranstaltungen nicht erwünscht und werden den Veranstaltungen verwiesen